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Steffi-Marion Janze

Unsere polnischen Freunde

Seit mehr als 30 Jahren verbindet eine feste Freundschaft die Schule in Ralbitz mit der polnischen Pfadfinderorganisation des Bataillons Hufca ZHP Sulejowek, einer kleinen Stadt in der Nähe Warschaus.

Der Beginn der Beziehungen zwischen polnischen Pfadfindern und sorbischen Schülern geht in das Jahr 1974 zurück, als eine Gruppe polnischer Pfadfinder aus eben dieser Stadt zufällig die sorbischen Dörfer zwischen Bautzen und Kamenz entdeckte. Sie wurden aufmerksam auf die Straßenschilder, die in einer Sprache beschriftet waren, die der polnischen Sprache ähnlich war und bemerkten mit Verwunderung, dass sich die Menschen auf der Straße, in den Geschäften und Gaststuben nicht der deutschen Sprache bedienten.

Auskunft bekamen sie vom damaligen Direktor der sorbischen Schule, dem inzwischen verstorbenen Jurij Schäfer. Gastfreundlich bat er die Gruppe in sein Haus, bewirtete sie und schnell kamen Bekannte dazu, die den Polen in einem Gemisch von sorbisch, polnisch und deutsch, Fragen über Fragen beantwortete. Das Interesse auf beiden Seiten war groß, Gemeinsamkeiten in der Sprache und im Glauben wurden deutlich, geschichtliche Ereignisse nicht ausgeklammert.

Aus diesem Treffen und aus der Gewißheit, dass das polnische und das sorbische Volk sehr viel verbindet, aber auch aus der Verantwortung der jungen Generation gegenüber, wurde die Idee des polnisch - sorbischen Jugendaustausches geboren.

 Bereits im darauf folgenden Jahr 1975 - konnte die damalige Sorbische Polytechnische Oberschule in Ralbitz die ersten Gäste aus Polen empfangen und eine Gruppe sorbischer Schüler, begleitet von Lehrern und Eltern, reiste nach Polen. Der Austausch erfreute und erfreut sich großer Beliebtheit. Die sorbischen Schüler lernen die polnische Hauptstadt kennen und verbringen eine Woche in einem Pfadfinderlager in den Masuren. Sie unternehmen gemeinsamen mit den polnischen Pfadfindern Ausflüge in die wunderschöne und geschichtlich wertvoll geprägte Region, z.B. zur Wolfsschanze und zur Kirche "Heilige Linde" und erfahren viel über das Leben in Polen  und über die Pfadfinderorganisation.

Zum anderen dient eine solche gemeinsame Ferienfahrt auch der Förderung der sozialen Kontakte der Schüler untereinander sowie der Förderung der sorbischen Sprache und Kultur.Die polnische Gruppe besucht jedes Jahr Dresden, die sorbisch geprägte Stadt Bautzen, lernt die schule kennen, das Kloster in Panschwitz, nimmt am sorbischen Gottesdienst in Rosenthal teil und gedenkt der ermordeten polnischen Soldaten am Denkmal in Crostwitz. Gemeinsam mit sorbischen Kindern geht es zur Nachtwanderung, zum Kegeln und es gibt ein gemiensames Lagerfeuer.

Freundschaften sind wie Pflanzen, sie müssen gepflegt werden, damit sie gedeihen. Auch aus diesem Grund gab es Einladungen, z.B. zu den Jahrestagen unserer Schule und zu den Jubiläen der Pfadfinderorganisation.

Für die Zukunft wünsche ich, dass die Beziehungen zu unseren polnischen Freunden aufrecht erhalten werden und der Gedanke der Gemeinsamkeit, der diesen Austausch begründete, nicht aus den Augen verloren wird, sondern von Generation zu Generation weitergegeben.