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Michael Walde

 

Die einzige sorbische UNESCO-Projektschule der Welt

Schon seit dem Jahre 1984 zählt unsere Schule als UNESCO-Projektschule. ( UNESCO: United Nations Educational, Scientific und Cultural Organization) Damals, in der Zeit des Sozialismus, spiegelte sich die Grundidee jener Organisation nur wenig im Schulalltag wider. Am wenigsten deckte sich die Forderung nach Toleranz mit dem System der Deutschen Demokratischen Republik, wie sich der östliche Teil Deutschlands nannte. Am 16. November 1945 unterschrieben in London Vertreter aus 37 Ländern das Statut der UNESCO. Ein Hauptziel war die Überwindung von Feindbildern und eine positive Sicht auf den Frieden zwischen den Völkern in der Nachkriegszeit. Heute konzentriert sich die Organisation auf die kulturelle Verständigung zwischen den Völkern, aber auch um die Förderung der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Bildung und Wissenschaft. Die Einhaltung der in den Statuten festgeschriebenen Menschenrechtsregeln und das Grundrecht auf menschliche Freiheit ohne Ausnahme auf Rasse, Geschlecht oder Glaubensrichtung fällt nicht allen 190 zugehörigen Ländern leicht.

               

 So sind die USA sogar im Jahr 1983 und Großbritannien im Jahr 1985 aus der Organisation ausgetreten. 1997 kehrte Großbritannien und erst 2003 die USA in die Organisation der UNESCO zurück. In unserem Schulalltag sind die UNESCO-Richtlinien für die Bildung sehr hilfreich. Bildung sieht man als Schlüssel für die Verwirklichung sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Rechte an. Laut Schätzungen gibt es derzeit rund 862 Millionen Analphabeten auf der Welt. Der Großteil dieser lebt in der Dritten Welt. Wir sind aber auch mit der wissenschaftlichen Tätigkeit der UNESCO konfrontiert. An unserer Schuler praktizieren wir im Unterricht sowie im Öko-Kurs der Schule einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen der Welt. Ein von der UNESCO ausgeschriebenes Biosphärenreservat befindet sich ganz in unserer Nähe.  Wie der Mensch nachhaltig mit seiner Umwelt umgehen kann, zeigt unser Nachbardorf mit seinem Naturschutzdenkmal des Lasker Auenwaldes.  Als Schule beteiligen wir uns alle zwei Jahre an den von der UNESCO weltweit ausgeschriebenen Großprojekten.  Im letzten Jahr war es das Projekt“ Wasser ist Leben“. Das nächste  Projekt werden wir wieder gemeinsam mit den anderen 15 UPS aus Sachsen vorbereiten und durchführen. Unter ihnen sind wir die einzige sorbische Schule und darauf sind wir stolz.  Jedes Jahr organisiert eine der sächsischen UPS ein UNESCO-Camp. 1998 haben wir dieses in Ralbitz  organisiert. Im April diesen Jahres fahren wir nach Jonsdorf, wo die Zittauer UPS „Schule am Burgteich“ das diesjährige Camp organisiert. Für den Ablauf und die Planung ist immer die Gastgeberschule verantwortlich. Es gehört dabei zur Tradition, dass den Campteilnehmern immer ökologische und touristische Besonderheiten der Region vorgestellt werden. Das alles kostet auch Geld. Für die Erstattung der Kosten zahlen die Mitgliedsstaaten Beiträge. Deutschland zahlte z. B. 2004/2005 Beiträge in der Höhe von 53 Millionen Dollar, was etwa 8,6 % des Gesamthaushaltes ausmacht. Arme Länder wie Somalia zahlten lediglich 0,001 % der Beiträge. So werden die Ausgaben relativ gerecht zwischen armen und reichen Ländern verteilt.  An unserer Schule steht die UNESCO- Arbeit auf drei wichtigen Säulen. Das ist zum einen die Verbindung zu unseren tschechischen und polnischen Nachbarn, welche wir mit dem tschechischen Mělnik schon über 35 Jahre pflegen.  Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ausrichtung des Unterrichts in ökologischer und naturschutzrelevanter Hinsicht. Wir haben jahrelange Erfahrungen  mit unserem Öko-Kurs. Durch ihn wird der Schulgarten  gepflegt und alljährlich der Krötenzaun im Lasker Auwald betreut. Die wichtigste Säule unserer UNESCO-Arbeit verstehen wir in der Pflege der sorbischen Sprache. Die Einzigartigkeit unserer Muttersprache versuchen wir im Alltag umzusetzen und zu erhalten. So ist an unserer Schule Sorbisch Umgangssprache.  Bei der Realisierung unserer Ziele haben uns die anderen UPS aus Sachsen immer zur Seite gestanden. Von den finanziellen Mitteln, welche allen sächsischen UPS zur Verfügung standen, haben wir auch immer profitieren dürfen. Dafür sind wir dankbar, denn unsere Trägergemeinde zählt nicht zu den Wohlhabenden.

Wir geben aber allen anderen auch etwas zurück. Als Schüler einer kleinen Schule mit einer Minderheitensprache zeigen wir, wie selbstverständlich es sein kann, zweisprachig zu sein. Zweisprachig heißt für uns in muttersprachlicher Qualität. Alle anderen Sprachen lernen wir wie andere als Fremdsprache.